[Buchrezension] Ein fliehendes Pferd

1. August 2014
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Buchrezension „Ein fliehendes Pferd “ von Martin Walser

Ein fliehendes Pferd

  • Verlag: Suhrkamp Taschenbuch
  • Preis: 6,50€
  • Seiten: 150
  • ISBN: 978-3-518-37100-8
  • Genre: Literatur

Klappentext: Der Zufall führt zwei Ehepaare im Urlaub zusammen. Die Männer, Endvierziger, waren Studienfreunde. Während Helmut Halm nichts mehr vom Leben erwartet, ihm entfliehen will, jagt der vitale Klaus Buch von einer Tätigkeit zur nächsten und bestimmt auch bald das Urlaubsprogramm. Die Kluft zwischen den Männern wächst, bis hin zu dem Tag, als sie beim Segeln in ein Unwetter geraten. Die Ausnahmesituation führt zum Kampf zwischen den beiden. Ein fliehendes Pferd 2007 mit Katja Riemann, Ulrich Tukur und Ulrich Noethen verfilmt.

Meine Meinung: „Ein fliehendes Pferd“ ist kein schnelles Buch, es ist eine Erzählung, in die man sich erst hinein finden muss. Aber eine Auseinandersetzung mit dem 1977 erschienenen Bestseller, der mittlerweile zu den Klassikern der modernen deutschen Literatur gehört, lohnt. Die Story der Novelle mag keine großen Überraschungen bieten und – abgesehen von der dramatischen Zuspitzung gegen Ende – auch keinen klassischen Spannungsbogen aufbauen. Der für sich betrachtet belanglose Plot in Kombination mit Walsers beobachtendem, fast schon puristischem Erzählstil, reflektiert den Gemütszustand seiner männlichen Hauptpersonen jedoch auf beeindruckend treffende Weise. So wird der Leser hineingezogen in das Leben des Lehrers Helmut Halm, für den das Leben keine Überraschungen mehr zu bieten hat. Dass Helmut schon bald mit seinem Gegenbild, dem lebhaften Klaus Buch kontrastiert, wenn nicht sogar konterkariert, wird, treibt die Subjektivität der Novelle nur noch weiter auf die Spitze.

Am Ende soll das fliehende Pferd, diese fleischgewordene Metapher, das Wesen beider männlichen Protagonisten gleichermaßen einfangen. Zwei Endvierziger, der eine auf der Flucht vorm Leben, der andere auf der Jagd. Beide sind auf ihre Weise getriebene, gehetzte Individuen, die mit dem Leben, das so viel größer ist als sie selbst, umzugehen versuchen. Umgehen müssen. Das „fliehende Pferd“ mag nicht für eine Generation stehen (vor solchen Wortungetümen habe ich viel zu großen Respekt), ist aber in jedem Fall das intensive Psychogramm zweier Männer, das sich zu lesen lohnt.

Meine Wertung: Schlicht erzählt, kein großer Spannungsbogen und bestimmt nicht jedermanns Sache. Aber ein intensives Psychogramm, das seinesgleichen sucht.

4-Sternewertung

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